Likrat-Ausbildung 2026: Ein neuer Jahrgang ist startklar

In zwei Ausbildungsblöcken im Januar und März wurden 35 jüdische Jugendliche zu Likratinas und Likratinos ausgebildet. Sie werden künftig in Likratbegegnungen auf Schülerinnen und Schüler treffen und mit diesen über das Judentum sowie das Jüdischsein sprechen.
Im Januar und März fand die diesjährige Ausbildung für Likrat statt, dem Dialog- und Aufklärungsprojekt des SIG. 35 jüdische Jugendliche im Alter von fünfzehn bis neunzehn Jahren wurden in zwei Ausbildungsblöcken in jüdischen Themen, aber auch in Leadership und Selbstmanagement, geschult. Die Likratinas und Likratinos besuchen künftig Schulklassen, um über das Judentum und insbesondere über ihre eigene Erfahrungen als junge Jüdinnen und Juden zu sprechen. Die Schulklasse und die jüdischen Jugendlichen tauschen sich dabei direkt und auf Augenhöhe aus. Ziel ist es, im Dialog ohne Tabus Stereotype und Vorurteile abzubauen.
Erstes Kennenlernen und ein Einstieg zu religiösen Themen
Die angehenden Likratinas und Likratinos versammelten sich Ende Januar in der Jüdischen Gemeinde Bern. Neben dem Kennenlernen stand eine gemeinsame Schabbatfeier im Zentrum. In kleinen Gruppen wurden erste Themen wie jüdische Traditionen und Gesetze behandelt, die von Rabbiner Josh Ahrens eingeordnet und ergänzt wurden.
Die Teilnehmenden stammen aus den unterschiedlichsten Gemeinden in der Deutschschweiz. Sie bringen verschiedene Hintergründe mit und leben auch ihr Judentum auf unterschiedliche Weise. Gerade diese Vielfalt macht Likrat aus: Sie ermöglicht authentische Einblicke und unterschiedliche Perspektiven im Austausch mit Schulklassen.
Übungen und Umgang mit sensiblen Fragen
Zum zweiten Ausbildungsblock trafen sich die Jugendlichen Anfang März in der Israelitischen Gemeinde Zürich, gemeinsam mit Teilnehmenden des Lehrgangs 2024. Im Fokus standen Leadership, Selbstmanagement und der Austausch mit den erfahrenen Likratinas und Likratinos. In Simulationen wurden typische und auch herausfordernde Fragen aus Schulbegegnungen geübt. Die erfahrenen Likratinos und Likratinas gaben konkrete Rückmeldungen und zeigten, wie auch mit kniffligen und provokativen Fragen routiniert umgegangen werden kann.
Im zweiten Workshop wurde der Nahostkonflikt behandelt. Das Thema ist zwar kein vorgesehener Bestandteil einer Likratbegegnung, kann jedoch in Schulklassen zur Sprache kommen und wurde daher bewusst behandelt. Als Experte stand Erik Petry, Professor am Zentrum für Jüdische Studien in Basel, mit Rat und Einordnung zur Verfügung.
Der Start in den Schuleinsatz beginnt im Tandem
Mit Abschluss der Ausbildung sind die neuen Likratinas und Likratinos bereit für ihren Einsatz in Schulen und sammeln ihre ersten Erfahrungen im Tandem mit ihren erfahrenen Kolleginnen und Kollegen. Sie schaffen Begegnungen dort, wo oft noch wenig Wissen über jüdisches Leben vorhanden ist und persönliche Kontakte fehlen. Für viele Schülerinnen und Schüler wird es die erste direkte Begegnung mit einer jüdischen Person überhaupt sein. Gerade dieser direkte Austausch ist entscheidend: Er ermöglicht Fragen ohne Hemmungen, schafft Vertrauen und hilft, Missverständnisse frühzeitig zu klären. Für den SIG ist Likrat damit ein zentrales Instrument der Präventions- und Bildungsarbeit: Es stärkt das Verständnis für jüdisches Leben in der Schweiz und leistet einen konkreten Beitrag zur Bekämpfung von Antisemitismus und Vorurteilen.
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